Beschallungsanlage im Bunyodkor FIFA-Stadion

Neubau in Taschkent, Usbekistan

Jan Beckhoff

Mit dem Neubau des FIFA konformen Fußballstadions Bunyodkor in Taschkent, Usbekistan, wurde eine ebenfalls den FIFA-Kriterien entsprechende Stadion-Beschallungsanlage benötigt. Die Planung, Montage und Inbetriebnahme der PA-Anlage in der Hauptstadt Usbekistans stellt bis dato unser größtes Beschallungsprojekt dar.

Anforderung an die Beschallungsanlage

Die festinstallierte Stadionbeschallung musste für den durchschnittlichen Alarmierungspegel einen Schalldruckpegel von 105 Dezibel (A) und einen Sprachverständlichkeits-Transmissions-Index von 0,5 oder mehr erfüllen. Diesen Anforderungen werden die eingebauten Verstärker und Lautsprecher von QSC, sowie die zentrale Signalsteuerungseinheit Q-Sys gerecht. 

Insgesamt wurden im Innenbereich 16 Linearrays mit je 10 Topteilen und einem Subwoofer, für die Beschallung im Umgang und unter dem Überhang des Oberrangs 320 Lautsprecher, 16 horngeladene Systeme für das Spielfeld und etwas 2000 Lautsprechereinheiten im ganzen Stadion für die Sprachalarmierungsanlage verbaut.

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Logistische
Herausforderung 
Die größten Herausforderungen waren die Beschaffung aller Komponenten innerhalb sehr kurzer Zeit, die sehr begrenzte Zeit für den Bau der Gestellzentralen mit abschließender Funktionsprüfung, sowie der sichere Landtransport der Ware per LKW von Deutschland nach Usbekistan. Die Vorgabe des Auftraggebers waren weiße Lautsprecher und Subwoofer, damit sich auch die Beschallungskomponenten in die farblich auf weiß abgestimmte Architektur eingliedern. Daher wurden die QSC Installations-Line-Array aus der ganzen Welt per Luftfracht organisiert, da der Bestand weißer Lautsprecher und Subwoofer relativ gering war und die Fertigung nicht so kurzfristig liefern konnte. Alle Verstärker sowie das zentrale Q-SYS-Systeme, die immer erst bei Bestellung gefertigt werden, wurden ebenfalls schnellstmöglich per Luftfracht nach Deutschland für die Vormontage geliefert.
Innerhalb von sechs Wochen nach Auftragsbestätigung, war die gesamte Ware bereit für die Montage vor Ort. Alle Komponenten wurden auf einem 5.500 Kilometer langen Landtransport per LKW von Deutschland über die Ukraine und Kasachstan nach Usbekistan transportiert. Trotz starker Verzögerung der Vorarbeiten und einer durch den kasachischen Zoll verursachten verspäteten Lieferung der Lautsprecher, konnte die Fertigstellung von dem sechsköpfigen Beschallungsteam fristgerecht erledigt werden.
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Zentrale Beschallung für den Innen- und Außenbereich

Die eingebaute Prosoundanlage ist eng mit der SAA-Anlage (TOA VX2000 - Rufen, Alarmieren) verknüpft und wird vollständig überwacht. Ein redundantes Gigabit-Ethernet-Netzwerk über LWL sorgt für zusätzliche Betriebssicherheit. Die Spezifikationen der EN-60849 werden vollständig erfüllt und wurden vom Auftraggeber als Maßstab angesetzt.

Um die Tauglichkeit im Sinne der Sprachverständlichkeit nachzuweisen, wurde mit der EASE-Software ein Simulationsmodell mit den entsprechenden Daten des QSC ILA Line-Array, bestehend aus 10 Lautsprechern des Typs WL2082i, erstellt. 

Die von den Verstärkern zu den Line-Array übertragenen Schalldruckpegel, werden über die zentrale Steuereinheit Q-Sys überwacht. Status LEDs zeigen an, wenn ein vorrangiger Ruf der SAA-Anlage (TOA) in die einzelnen Bereiche (Stadion, VIP usw.) abgesetzt wird, auch wenn diese stummgeschaltet sind (Pflichtempfang). Von der Stadionregie aus können über das Q-SYS Design die Lautstärken tribünenweise im Stadion und für das Spielfeld geregelt werden.

Die Verbindung vom Yamaha LS9-16 Mischpult zum Q-SYS Core kann von Cobranet auf analog umgeschaltet werden. Bei einem Ausfall der Cobranet-Verbindung kann so in jedem Fall das Audiosignal von der Regie in die Verstärkerzentralen übertragen werden.

Nutzerfreundliche Programmierung und Anwendung

Im Laufe der Inbetriebnahme hat sich gezeigt, dass durch die einfache Q-SYS Designer Programmieroberfläche sehr zeitnah auf viele Veränderungswünsche des Auftraggebers vor Ort eingegangen werden kann.

Nach der Fertigstellung der wesentlichen Innenausbauarbeiten im Stadion, wurde das System für eine optimale Beschallung aller Plätze bezüglich Klang und Verständnis eingemessen. Eine später durchgeführte Messung ergab, dass im Hinblick auf den erreichbaren Schalldruckpegel je nach Frequenz drei bis sechs Dezibel Reserven vorhanden sind, womit die FIFA Vorgaben von 105 Dezibel (A) erfüllt wurden.

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